Anonyme Kryptowährung “Verge”: IP-Adressen öffentlich sichtbar?

Anonyme Kryptowährung “Verge”: IP-Adressen öffentlich sichtbar?

By Benson Toti - Min. gelesen
Aktualisiert 07 November 2022

Verge scheint derzeit nicht den Sprung raus aus den negativen Schlagzeilen zu schaffen. Nach dem Drama um Marquis Trill und dessen gehackten Twitter-Account sowie dem vermeintlichen Pump and Dump durch John McAfee ist nun eine Webseite ohne Impressum aufgetaucht, die angeblich die IP-Adressen und die dazugehörigen Transaktionsinformationen, wie Sender- und Empfängeradresse, Betrag und Zeitpunkt von Verge-Transaktionen veröffentlicht. Fraglich ist jedoch die Echtheit der Informationen. Wir haben die Informationen zusammengetragen und eine Transaktion selbst getestet. 

Erst am 1. Weihnachtsfeiertag hatte Verge einen erheblichen Kurseinruch von 20 Prozent hinnehmen müssen. Vermeintliche Ursache war ein Tweet der Social-Media-Bekanntheit Marquis Trill, der seine Followers aufforderte Verge zu verkaufen, da das Projekt angeblich auseinanderbrechen würde. Im Nachhinein behauptete Trill, dass sein Account gehackt wurde und entfernte den Post.

Fragwürdig ist auch die Rolle von John McAfee im Zusammenhang mit Verge in den letzten Wochen. McAfee hatte im Dezember Verge durch diverse Tweets stark gepusht. Zeitgleich und womöglich infolgedessen stieg der Kurs stark an. Als McAfee wenige Zeit später kein Wort mehr über XVG verlor, fiel der Kurs. Ob McAfee von dem Pump und Dump profitierte, den er eventuell selbst auslöste, kann zwar nicht geklärt werden. Dennoch bleibt aus unserer Sicht ein gewisser negativer Beigeschmack.

Webseite veröffentlicht IP-Adressen von Verge-Transaktionen

Verge ist eine Kryptowährung, die sich dadurch auszeichnen soll, dass sie vollständig anonym ist. In einem Werbevideo vom 20.12.2017 verkündete das Verge-Team auf seinem Twitter-Kanal, dass XVG die einzige, vollkommen anonyme Währung ist, die auch für den täglichen Gebrauch geeignet ist. Für diesen Zweck verwendet Verge anonymitätsorientierte Netzwerke wie Tor und I2P.

Ob die derzeitige Version des Core-Wallets wirklich die propagierte Anonymität bietet, ist derzeit aber fraglich. Am 27.12.2017 ist eine Webseite (xvg.keff.org) aufgetaucht, die in regelmäßigen Abständen die vermeintlichen IP-Adressen von Verge-Transaktionen veröffentlicht. Der Betreiber der Webseite ist zwar anonym. Und auch ein Impressum ist nicht vorhanden. Trotzdem muss bzw. wird sie derzeit im Internet sehr heftig diskutiert.

Über den eigenen Twitter-Account hat @Vergecurrency sehr schnell reagiert und bekannt gegeben, dass man die IP-Adressen, die von xvg.keff.org veröffentlicht wurden, überprüft habe. Hierbei habe das Verge-Team kein einziges akkurates IP-Adressen/Transaktions-Paar finden können.

Auf der sich ständig aktualisierenden Webseite kündigte der anonyme Betreiber auch an, zeitnah die Transaktionsinformationen von Transfers des Verge Electrum Wallets zu veröffentlichen.

Faktencheck: Fake oder Sicherheitspanne?

Verwunderlich ist aus unserer Sicht die Aussage der Webseite, dass „die meisten IP-Adressen korrekt sein sollten“. Theoretisch sollte man davon ausgehen, dass die IP-Adressen entweder vollkommen korrekt oder auch nicht ermittelt werden können. Alles andere grenzt an unserer Ansicht an zufälliges „raten“.

Fakt ist, dass das Core Wallet seit Version 3.0 Tor vollständig unterstützen sollte.

Verge Wallet
Quelle: https://medium.com/verge-currency-xvg/the-core-wallet-3-0-is-live-52cc4b59c9bb

Das Wraith-Protokoll integriert Tor:

Verge Wraith
Quelle: https://medium.com/verge-currency-xvg/meet-the-core-team-our-future-vision-and-an-important-announcement-3965730bd0b8

Auf Github hatte Sunerok (@justinvforvendetta), der Gründer und Core-Entwickler von Verge, vor 2 Tagen noch eingestanden, dass die Tor-Integration noch nicht ganz fertig sei.

Verge Sunerok
Quelle: https://github.com/vergecurrency/VERGE/issues/210

Verfolgt man aktuell den Twitter-Account von @Vergecurrency, wird man (zumindest wir) nicht wirklich schlau, wie der aktuelle Stand zum Wraith Protokoll und der Integration von Tor ist. Insofern kann man Verge, unserer Meinung nach, zumindest eine mangelnde Kommunikation vorwerfen.

Verge Electrum Wallet-Test

Auch wenn die Webseite wohl momentan nur die IP-Adressen der Core-Wallet-Benutzer analysiert, haben wir gestern Abend testweise eine Transaktion auf das Electrum Wallet getätigt. Seltsamerweise sind in dem vakanten Zeitraum zwei Transaktionen aus Leipzig auf der Webseite sichtbar, sowohl IP-Adresse als auch die verlinkten Transaktionsinformationen. Jedoch stimmen (auf verge-blockchain.info) diese nicht mit unseren Transaktionsinformationen überein. Insofern liegt die Vermutung nahe, dass es sich dabei um Zufall handeln könnte und wir zumindest momentan für das Electrum Wallet die Behauptungen entkräften können.

Verge IP adressen

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