Gründe für den großen Bitcoin Crash seit Dezember- Analyse von Chainanalysis

Gründe für den großen Bitcoin Crash seit Dezember- Analyse von Chainanalysis

By Benson Toti - Min. gelesen
Aktualisiert 07 November 2022

Chainalysis hat eine Studie veröffentlicht, die auf Grundlage von großen Mengen an Daten den Preisrückgang von Bitcoin seit dem Allzeithoch im Dezember bis Februar erklären soll. Das Unternehmen hat insbesondere zwei Gründe ausgemacht, die den Kryptowährungsmarkt und insbesondere Bitoin getrieben haben. 

Chainalysis wurde im Jahr 2014 gegründet und bezeichnet sich selbst als führenden Anbieter von Anti-Geldwäsche-Software für Bitcoin. Das Unternehmen arbeitet mit globalen Finanzinstitutionen wie Barclays und Kryptowährungsbörsen zusammen und kann formelle Partnerschaften mit Europol und anderen internationalen Strafverfolgungsbehörden vorweisen. Die Ermittlungsinstrumente wurden laut Unternehmens-Webseite von diesen Behörden bereits genutzt, um Geldwäsche und Cyberkriminelle erfolgreich aufzuspüren und festzunehmen.

Die neueste Studie von Chainalysis kommt zu dem Ergebnis, dass der Kursrückgang von Bitcoin von 20.000 USD auf zeitweise 6.000 USD hauptsächlich durch zwei Gründe verursacht wurde:

  1. Nachrichten zur Regulierung von Bitcoin, welche das Handelsvolumen maßgeblich beeinflusst haben.
  2. Ein Mangel an Indikatoren (“Fundamentals”) und hierdurch bedingt die Nichterfüllung von den großen Erwartungen. Dieser Mangel hat zu einem “Herdenverhalten” geführt, welches alle Exchanges und Kryptowährungen erfasst hat.

Chainalysis begründet das zweite Argument damit, dass traditionelle Märkte über etablierte Marktindikatoren verfügen, die es den Anlegern ermöglichen, Preis- und Handelsvolumenschwankungen zu verstehen.

Im Gegensatz dazu fehlen für Kryptowährungen solche Indikatoren bzw. Grundlagen, die Preisschwankungen in einen Kontext bringen können. Aufgrund dessen orientiert sich der Einzelne an der Masse. Wenn es zu einem großen “Sell-Off” kommt, tendiert die Mehrzahl der Investoren dazu, der Masse zu folgen (“Herdenverhalten”).

Der erste Grund liegt auf der Hand. Während der Kurs von Bitcoin laut Studie empfindlich auf regulatorische Nachrichten reagiert, steigt der Preis wenn positive Stimmung herrscht. Dies war im Dezember der Fall. Die CME und die CBOE haben Bitcoin Futures angekündigt und veröffentlicht und damit einen enormen Hype ausgelöst. Der Bitcoin schien kurz vor dem Durchbruch in den Mainstream.

Es ging ein Hype um die gesamte Welt, der insbesondere in den USA und Europa enormen Zuwachs für die Kryptogemeinschaft bedeutete. Viele Börsen mussten Mitte/ Ende Dezember aufgrund der extremen Nachfrage ihre Neuregistrierungen aussetzen.

Mit der Bekanntkeit und der Öffentlichkeit in den Mainstream stieg aber auch das Interesse der Politik an Kryptowährungen. Mit den zahlreichen negativen Stellungnahmen durch Regierungen, sowie der Androhung und Durchsetzung von regulatorischen Maßnahmen in Südkorea, China und Russland kam es laut Daten von Chainalysis zu einer geografischen Verschiebung bei den Währungspaaren USD / BTC, EUR / BTC, USDT / BTC und JPY / BTC.

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Quelle: https://blog.chainalysis.com/bitcoin-price-drop/

Bemerkenswert ist aus unserer Sicht bei dieser Abbildung auch die Wichtigkeit bzw. die Dominanz, die Tether (blaue Linie) erreicht hat. Seit dem 21. Dezember ist Tether zunehmend der wichtigste Tauschpartner für Bitcoin geworden. Damit zeigt sich aus unserer Sicht, welchen großen Einfluss Tether auf den Bitcoin Markt hat!

Verwirrung im Januar und Februar

Der Kursverfall von Bitcoin im Januar und Februar war extrem. Wie Chainalysis feststellt, ist der Preisrückgang im Januar und Februar überwiegend auf fehlende Indikatoren für den Kryptowährungsmarkt zurückzuführen.

Zwischen dem 17. Dezember und dem 6. Februar verlor der Bitcoin Kurs rund 70 Prozent. An den traditionellen Börsen dieser Welt wird Kurskorrektur bein einem Rückgang von mindestens 10 Prozent, ein Bärenmarkt als Rückgang von über 30% definiert. Anleger haben keine Erklärung dafür finden können, warum der Kurs so extrem gefallen ist. Rückblickend erklärt Chainalysis die Situation wie folgend:

Als die Anleger versuchten, die finanziellen und wirtschaftlichen Prinzipien herauszufinden, die die Kryptowährungen beeinflussen, waren Dezember und Januar geprägt von verblüfften Spekulanten, erschreckten neuen Kleinanlegern und ein paar Walen, die diese Tatsachen nutzten, um den Markt zu ihren Gunsten zu bewegen.

Korrelation der Altcoins mit Bitcoin

Von dem Preisverfall war aber nicht nur der Bitcoin betroffen. Alle Altcoins orientierten sich an dem Bitcoin Preis und fielen ebenfalls extrem stark im Kurs. Des Öfteren haben wir auf dieser Webseite bereits auf die Leitfunktion des Bitcoins für den gesamten Kryptowährungsmarkt hingewiesen.

Korrelation Altcoins Bitcoin
Quelle: https://blog.chainalysis.com/bitcoin-price-drop/

Dies wird nun durch die Studie bestätigt. Die Preise der Altcoins korrelieren mit den Bitcoin-Preisen. Hierfür hat Chainalysis den Korrelationskoeffizienten (Pearson Koeffizienten) berechnet, der ein Maß für den Grad des linearen Zusammenhangs zwischen zwei Merkmalen ist und bei +1 von einem vollständig positiven Zusammenhang ausgeht. Ein Wert von über +0,5 deutet auf einen starken Zusammenhang (in der Abbildung rot) hin.

Die Abbildung zeigt, dass Ethereum, Ethereum Classic, Litecoin und Monero am stärksten mit dem Bitcoin Kurs korrelieren (rund +0,5). Hingegen weist Ripple einen sehr schwachen Zusammenhang zum Bitcoin Preis auf, der gegen 0 tendiert.

Laut Ergebnis der Studie war der Bitcoin Preis auch ein Frühindikator für den Fall. BTC fiel zuerst am 17. Dezember, die Altcoins begannen am 20. Dezember zu folgen.

Net Inflow an den Börsen in den Kryptowährungsmarkt

Die Studie hat auch herausgefunden, das die Nettozuflüsse (“Net Inflow”) von Bitcoin an Börsen stark mit den Kursbewegungen von Bitcoin zusammenhängt. Die folgende, von Chainalysis erstellte Grafik zeigt den Nettozufluss bzw. -abfluss von Bitcoin.

Netinflow Bitcoin
Quelle: https://blog.chainalysis.com/bitcoin-price-drop/

Der Kursverfall von Bitcoin war, wie die Grafik zeigt, mit einem deutlichen Abfluss von Kapital von den Kryptowährungsbörsen begleitet. Viele Investoren werden vermutlich ihre Gewinne entnommen oder Panikverkäufe getätigt haben, um die Verluste zu minimieren. Das Herdenverhalten zeigt sich auch hier.

Untersuchung zu Mt. Gox Verkäufen

Wie wir vor wenigen Tagen berichteten, hat der Mt. Gox Treuhänder bereits im letzten Jahr damit begonnen Bitcoin aus der Insolvenzmasse zu verkaufen. Hierbei zeigte sich ebenfalls, wie sensibel der Bitcoin-Preis auf solche Nachrichten reagiert.

Auch dies wurde von Chainalysis untersucht. Das Ergebnis: Das Volumen war im Vergleich zum Gesamtvolumen eher gering. Der Verkauf erfolgte zumeist in einem bereits bestehenden Abwärtstrend. Die erst jetzt veröffentliche Nachricht löste eine unbegründete Panik und Hysterie aus, die wiederum in Zusammenhang mit den fehlenden Marktindikatoren gebracht werden kann.

Mt. Gox Bitcoin
Quelle: https://medium.com/chainalysis/the-great-bitcoin-price-dip-its-causes-and-a-way-forward-1199e9360adf

Fazit der Studie

Im Ergebnis der Studie kommt das Unternehmen zu dem Schluss (frei übersetzt):

Wenn diese Prinzipien etabliert (Anmerkung der Red.: Marktindikatoren) sind, wird sich der Kryptowährungsmarkt stabilisieren und ein nachhaltiges Gleichgewicht erreichen. Die Fundamentaldaten des Marktes beziehen sich auf Prinzipien, bei denen Händler fundierte Entscheidungen treffen, indem sie technische Analysen anstelle von Spekulationen verwenden.

Der Artikel von Chainalysis: https://blog.chainalysis.com/bitcoin-price-drop/

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